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Rote (Zweihäusige) Zaunrübe (Bryonia dioica)

Bestimmungsmerkmale:

Die Pflanze ist zweihäusig, was bedeutet, dass es auf einer Pflanze entweder nur männliche oder nur weibliche Blüten gibt. Die Blüten erscheinen Anfang des Sommers, sind etwa 1 cm im Durchmesser groß und haben 5 Zipfel. Die männlichen Blüten sind grünlich-weiss, die weiblichen weisslich-grün. Die Blüten sind mit beinahe parallel laufenden grünen Äderchen durchzogen.

Die Beeren sind zuerst grün und färben sich dann rot. Die Laubblätter sind handförmig und 5lappig und an haben kurze Borstenhaare; sie erinnern etwas an junge Efeublätter. Die Zaunrübe ist eine Kletterpflanze, dazu nutzt sie Ranken, die sich spiralförmig drehen. Eine Verwandte der Roten Zaunrübe ist die Weisse Zaunrübe, die schwarze Beeren trägt, sonst allerdings der Roten Zaunrübe sehr ähnlich ist.

Standort und Verbreitung:

Zaunrüben wachsen an Gebüschen, an Zäunen und Mauern und auch auf Weinbergen, allerdings sucht man sie in den Alpen vergebens. Die Zaunrübe benötigt stickstoffhaltigen Lehmboden und liebt warme Lagen.

Giftstoffe, Wirkung und Symptome:

Zaunrüben enthalten in ihren Samen Saponine und in den Beeren, Samen und Wurzeln das Glycosid Bryonin. Die Zaunrübe wirkt äusserlich hautreizend und kann Blasen ziehen, also nicht anfassen. Bei innerer Aufname der Beeren, kommt es zu starken Durchfällen, Koliken, und zu Erbrechen. Die Menge von 15 Beeren gilt als tödliche Dosis für Kinder. Allerdings schmecken die Beeren ziemlich scharf, wodurch eine so starke Vergiftung eigentlich nicht zu erwarten sein sollte.

Heilwirkung und Medizinische Anwendung:

Die Zaunrübe ist eine alte Heilpflanze. Man nutzte den Saft der Wurzeln als starkes Abführmittel, wo dann gewöhnlich schon die Grenze zur Vergiftung überschritten wurde. Sie wurde aber auch bei Gicht angewandt und daher gab man ihr auch den Namen Gichtrübe. Ferner nutzte man sie früher als Wehenmittel, bei Wechelfieber, Typhus, Lungenentzündung und Zahnschmerzen. Zaunrübenpräparate finden auch Anwendung in der Homöopathie.

Name:

Zaunrübe heisst die Pflanze, da ihre Wurzel rübenähnlich aussieht und sie bevorzugt an Zäunen wächst. Alte Bezeichnungen für die Zaunrübe waren auch Faulrübe (die Wurzel hat einen widerlichen Geruch), Weisser Enzian, Feuerwurzel, Heilige Rübe, Hundskürbis und Tollrübe. Der botanische Gattungsname Bryonia entstammt dem griechischen Wort bryein für wachsen und meint damit eine schnell wachsende Schlingpflanze. Der Artname dioica heisst zweihäusig (siehe deutsche Bezeichnung). Der Artname alba - weiss, bei Bryonia alba, verweist auf die Grundfarbe ihrer Blüten.

Geschichtliches:

Die Zaunrüben fanden schon Erwähnung bei den Ärzten des Altertums, wie bei Galen (131 - 202 n. Chr.) und natürlich in den alten Kräuterbüchern des Mittelalters. Hier ein Zitat von Apotheker Tabernaemontanus (1520 - 1590): ”.../ wann man ein Quintlein der Wurzel mit Honigwasser einnehme / so purgiere sie den Schleim durch den Stuhlgang / welches die Landstreicher wohl wissen / so diese Wurzel viel zum purgieren gebrauchen / also daß auch wol die Därme möchten hernach fahren.”(purgieren = abführen) ”Die Wurzel in das Feur gelegt / und wie ein Rüb gebraten / gibt ein Dampff von sich / welchen / so die Schlangen un Kröten riechen / sterben sie gleich davon.” ” Die Haut und Angesicht darmit gerieben / reiniget sie / benimmt alle Masen / Flecken / macht die Haut glatt / und vertreibet die Runzel: ist auch Nutz wider das roth / dulsch auffzügig Angesicht: vertreibet auch die Wundmasen / und die Anmal oder Mutterzeichen. Mit einem Tüchlein übergelegt / bricht alle Geschwär auf / ist dienstlich wider das hefftig brennende Geschwär des Wurms am Finger.”

In freundlicher Zusammenarbeit mit: www.botanikus.de

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